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- Zeitlich hat es diesmal nicht gepasst, dass Ben Gibbard einen Hausbesuch macht. Deshalb findet das Treffen im Whiskey Room des Michelberger Hotels statt.
Auch ist der Zeitraum limitiert - aber er reicht, um quer durch Gibbards bewegtes Indie-Leben zu reisen. Für den Pressetag in Berlin für das aktuelle Death Cab For Cutie Album "I Built A Tower" hat er sich extra ein T-Shirt der revolutionären Krautrock-Band Neu! angezogen. Er liebt deren Motorik-Beat, der für ihn auch ein guter Rhythmusgeber beim Laufen ist - denn Gibbard ist in den vergangenen Jahren zum Ultramarathon- und Trail-Runner geworden.
Zwar wird Gibbard 1976 in Bremerton, Washington geboren, da sein Dad bei der US-Navy ist, zieht die Familie in seiner Kindheit jedoch oft um. Erst Ende der 80er werden die Gibbards in Washington State sesshaft.
Als Gibbard nach der High School Umweltwissenschaften studiert, beginnt er parallel in ersten Bands zu spielen. 1996/97 nimmt er erste Songs für ein Demo-Tape namens „You Can Play These Songs With Chords“ auf. Er tauft das Projekt Death Cab For Cutie. 30 Jahre später gibt es das Projekt immer noch – als Band mit nun elf Alben in der Discografie.
In der Indie-und Emo-Szene stößt er damit auf viel Wohlwollen, enorm populär werden 2003 auch The Postal Service, das Indietronic-Projekt, das er mit Jimmy Tamborello betreibt.
Im Podcast "Der Soundtrack meines Lebens" erfahren wir, dass die Weilheimer The Notwist durchaus ihren Einfluss auf The Postal Service hatten. Gibbard berichtet von seinem ersten Konzert - ein Festival des Labels Sub Pop, bei dem etwa Earth auftreten. Außerdem nutzt Gibbard die Chance, um über sein Lieblingsalbum "Bandwagonesque" der Schotten Teenage Fanclub zu referieren. Das hat er schließlich 2017 in Gänze gecovert. Außerdem klären wir, wie es dazu gekommen ist, dass The Postal Service einst die Phil-Collins-Hymne "Against All Odds" ("Take a look at me now!") gecovert haben.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Der José González, den man in den 90er Jahren auf den Bühnen schwedischer AZs und Kellerclubs erleben kann, hat nichts mit dem sanftmütigen Singer/Songwriter gemein, der vor über 20 Jahren zu weltweiter Bekanntheit kommt.
González ist der Sohn politisch motivierter Argentinier, die nach dem argentinischen Staatsstreich 1976 nach Brasilien fliehen und von dort nach Göteborg umsiedeln. Dort kommt González 1978 zur Welt.
Das politische Erbe seiner Eltern trägt er weiter in Hardcore-Punk-Bands wie Back Against The Wall und Renascence. Sein Ausflug als Bassist in der Emo-Band Only If You Call Me Jonathan verläuft parallel zu seinem Studium der Molekularbiologie. Den Weg zum Doktor bricht der Biochemiker jedoch ab, um sich erstmal ganz der Musik zu widmen.
Mit Schulfreunden entsteht die Band Junip, die mit Elementen aus Folk, Psych und Krautrock operiert. Gleichzeitig probiert es González solo. Seine erste 7" erscheint 2001, das erste Album "Veneer" 2003. Er klingt darauf wie kein anderer Singer/Songwriter, sondern inszeniert seine kleinen, magischen Songs immer ein wenig übersteuert, unmittelbar und doch ein wenig entrückt.
Ein TV-Spot, in dem seine Cover-Version des Elektropop-Songs "Heartbeats" von The Knife zu hören ist, stößt die Tür weit auf. Er wird, so unaufdringlich er auch rüberkommt, zum Star einer neuen Folk-Generation. Seitdem hat Gonzáles vier weitere Soloalben veröffentlicht – das aktuelle heißt "Against The Dying Of The Light".
Im Podcast „Der Soundtrack Meines Lebens“ erfahren wir mehr über die Bands seiner Jugend, wie es als Support für Refused war, dass sein liebstes Hardcore-Album "Scratch The Surface" von Sick Of It All ist. Er berichtet über seine Vorlieben in Sachen Latin-Folk und -Pop, seine lange Freundschaft mit Elias Araya, mit dem er seit Jugendtagen und bis zu Junip zusammenarbeitet, warum er so gerne artfremde (Pop-)Songs covert und wie er auf dem Zero-7-Album "The Garden" gelandet ist.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Vielleicht schreibt Johanna Platow ja eines Tages eine Biografie über ihr bewegtes Leben, das sie schon in die unterschiedlichsten Winkel der Welt gespült hat.
1979 wird sie in Ostberlin geboren, 1985 macht die Familie rüber nach Westberlin. Da ist Madonna noch angesagt. Mit 14 sieht sie Danzig im Huxleys mit ihrem Metal-Freund. Ab da stehen die Pforten zur Hölle offen.
Das Praktikum in der mystischen Buchhandlung in Schöneberg speist sie mit Wissen. Das halbe Jahr als Au-pair verbringt sie im norwegischen Bergen: weil sie Black Metal liebt. Sie wird Buchhändlerin, taucht mit Anfang 20 immer regelmäßiger als Sängerin auf Metal-Platten im Berliner Untergrund auf.
2005 kommt der Bruch. Sie geht für einige Jahre nach Los Angeles, arbeitet in der Filmproduktion, Event-Management und mit Musik, und wird Mutter eines Sohnes, der sie längst zur Oma gemacht hat.
Zurück in Berlin ruft sie 2009 den "Kill Em All Club" ins Leben, eine Metal-Party-Reihe. Sie arbeitet im Plattenladen Dodo Beach und zieht nach London. Dort arbeitet sie nicht nur bei Rise Above, sondern veröffentlicht dort auch mit ihrer Heavy-Metal-Band The Oath. Die Band ist nur von kurzer Dauer und wird 2015 von Lucifer abgelöst. Fünf Alben entstehen zwischen 2015 und 2024 zwischen London, Stockholm und Berlin, mit immer wieder wechselndem, illustrem Line-up.
Stockholm ist ab 2017 ohnehin ihr Lebensmittelpunkt, nachdem sie Hellacopters-Kopf Nicke Andersson heiratet. Auch das Kapitel ist mittlerweile geschlossen. Dafür sind Lucifer neu besetzt (u.a. mit Kevin Kuhn von Die Nerven am Schlagzeug).
Im Gespräch, Platow nennt es Verhör, weil sie Dinge ausbreitet, die sie angeblich noch nie zuvor im Interview erzählt hat, berichtet sie von ihrem Ost-Punk-Bruder, von diversen Bands, bei denen sie mitgemacht hat, von ihrer Liebe zu Coven, Pentagram, Blue Öyster Cult und wie sie im Bühnenoutfit über ein Festivalgelände gerannt ist, um Danzig live zu sehen.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Eine Legende in "Der Soundtrack meines Lebens": die einzigartige Suzi Quatro. Auf dem Reeperbahn Festival 2025 hat sie in der Jury bei den Anchor Awards gesessen. Was insofern naheliegend ist, weil sie mit ihrem Mann und Manager immer wieder in Hamburg lebt, wenn sie nicht gerade in ihrer Wahlheimat England verweilt.
Dabei kommt Quatro eigentlich aus dem Detroiter Vorort Grosse Point. Ihr Vater Arthur arbeitet bei General Motors und ist nebenbei semiprofessioneller Musiker. Damit schafft er für seine Töchter Arlene, Nancy, Patti und Suzi die Grundlage, selbst eine Band zu gründen. Als The Pleasure Seekers machen die Teenagerinnen in der Konzertszene von Detroit auf sich aufmerksam, covern sich quer durch das Motown-und R'n'B-Songbook, und nehmen bald auch eigene Songs auf. Die kleine Suzi mit dem großen Bass gilt als Geheimwaffe der Band.
Der umtriebige Produzent und Label-Macher Mickie Most will ihr deshalb Ende der 60er zu einer Solokarriere verhelfen. Also geht Quatro allein nach London. Es dauert, aber mit ihrer zweiten Single "Can The Can" kommt der Durchbruch. Sie wird zum Rock'n'Roll-Star, ist essenzieller Teil der Glam-Rock-Welle um Sweet, Slade, Smokie. Tough sieht sie im schwarzledernen Jumpsuit aus. Punk-Queen Joan Jett guckt sich das bei ihr ab.
Seitdem ist viel passiert. Aber Suzi steht, 75-jährig, immer noch mit dem großen Bass und ihrer No-Bullshit-Attitüde auf der Bühne. Im Podcast berichtet sie von der Band ihres Vaters, dem Art-Quatro-Trio, warum sie Elvis Presley so sehr schätzt, wie sie sich den Bass selbst beigebracht hat, wie das Konzert der Beatles am 6. September 1964 in Detroit war, wie sich die Pleasure Seekers die Bühne mit Scott Morgan, Bob Seger, Ted Nugent und Alice Cooper geteilt haben, wie es im Grande Ballroom war, wie sie in London Fuß gefasst hat und als Background-Sängerin mit Donovan und Jeff Beck im Studio gelandet ist, und selbstverständlich, wie es war, mit Max Giesinger "Stumblin' In" zu covern.
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Was als Schnapsidee in einer Berliner Bar begonnen hat, das bezahlt Alec Völkel heute die Miete: The BossHoss. 2004 notieren Völkel und sein Freund und Arbeitskollege Sascha Vollmer auf einem Bierdeckel, dass sie Pop- und Rock-Hits zu Country-Songs umbauen könnten. Der anfängliche Spaß ist längst zu einer gut geölten Live-Maschine mit zehn Studioalben (und selbstverständlich eigenen Songs) geworden.
Dabei hat der 1972 in Ost-Berlin geborene und im Prenzlauer Berg aufgewachsene Völkel zum Zeitpunkt der Schnapsidee längst einige Bands hinter sich. Mit Sludgehat und Boon tobt er sich zwischen Grunge, Noise und Alternative-Metal aus, Teheran Taxi ist Emo/Indie auf Deutsch. Nur zum Erfolg reicht es nicht, aber immerhin zum Ausleben der Leidenschaft.
Völkel ist seit klein auf begeisterter Musikfan. Im Urlaub in Budapest sieht er zufällig vom Balkon aus Iron Maiden. Er liebt Hard Rock, Metal, Punk, Hardcore, aber hat auch ein Herz für Pop. Pünktlich zum Eintritt in die 90er wird er volljährig. Der Mauerfall beschert ihm ganz neue Möglichkeiten, sich in Berlin musikalisch auszuprobieren, Konzerte zu besuchen, Trends mitzumachen.
Völkel erzählt von all dem leidenschaftlich und mit Selbstironie. Die Cowboy-Jokes in Sachen BossHoss sind alle gemacht. Nur: Die Band ist für ihn kein Witz, dafür steckt da zu viel Arbeit drin. Und prominente Fans wie Arnold Schwarzenegger, auf dessen Gartenparty sie gespielt haben, sprechen eh für sich.
Im ausführlichen Gespräch erfahren wir, woher The BossHoss ihren Namen haben und wie das mit dem Gastbeitrag von Soul-Sängerin Dionne Warwick gelaufen ist. Es geht um das DDR-Label Amiga, um ältere Kumpels, die einem die Musikwelt erweitern und was er sich von seinem Begrüßungsgeld gekauft hat. Und um das Teamwork mit seinem besten Freund und Kreativpartner Vollmer als Jury-Kollegen in "The Voice Of Germany".
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Acerca de Der Soundtrack meines Lebens
VISIONS-Redakteur Jan Schwarzkamp nimmt den Hörer mit auf eine Reise durch das musikalische Leben seiner Gäste. Die fällt mal nerdig, mal erhellend und immer persönlich aus. Ein Austausch zu Popkultur im Allgemeinen und ein Blick auf das Leben unserer Gäste durch die Linse der Musik im Speziellen. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
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